Dienstag, September 22, 2020
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SAFE – Kinder brauchen eine „Sichere Ausbildung für Eltern“

SAFE-Kurse sorgen für eine feste Bindung zwischen Eltern und Kindern

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Babys senden Signale, viele an der Zahl. Sie zu deuten, fällt selbst der liebenden Mutter zuweilen schwer. Damit das besser wird, gibt es einen Übersetzer, die sogenannten SAFE-Kurse, für die Sprache der Babys.

Dabei geht es aber um mehr als nur das Deuten von Zeichen. Wir lernen hier etwas über unsere eigenen Schwachstellen und bemerken, was wir so alles bei uns selbst im Alltag verbessern sollten, denn möglicherweise haben wir als Kinder Defizite in unseren Bindungserfahrungen erlitten, die wir so auf keinen Fall weitergeben sollten.

Die Bedenken und Ängste vieler Paare, was die Qualität ihres Umgangs mit dem Baby anbetrifft, sind so berechtigt wie normal. In dieser Zeit werden diesbezüglich zahlreiche (emotionale) Gespräche mit den eigenen Eltern geführt über die Vergangenheit und die Kindheit. Auch gute Freundinnen, die bereits Kinder haben, müssen dafür herhalten.

Die wohlgemeinten Ratschläge gehen meistens in die Richtung, dass doch alle Eltern ganz instinktiv lernen, die Zeichen der Babys richtig zu deuten. Doch gibt es immer wieder scheinbar unlösbare Situationen, in denen Eltern hoffnungslos überfordert sind und Babys schließlich mit Schütteltrauma ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen. So weit sollten wir es aber nicht kommen lassen.

Schüttle nie ein Baby!

Der Elternführerschein namens SAFE

Die SAFE-Kurse wurden konzeptionell entwickelt von dem Bindungsforscher Karl Heinz Brisch. Er ist Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie. Brisch leitet die Abteilung „Pädiatrische Psychosomatik und Psychotherapie“ der Kinderklinik und Kinderpoliklinik im Dr. von Haunerschen Kinderspital an der Universität München. Mit der von Karl Heinz Brisch entwickelten „Ausbildung für Eltern“ soll vor allem die erste Bindung zwischen Eltern und Kindern optimiert werden.

Laut Brisch hat ein hohes Maß an Vertrauen zwischen Eltern und Kindern einen enorm günstigen Einfluss beispielsweise auf

  • die Sprachentwicklung des Kindes,
  • es kann sich auf die Lösung von Aufgaben viel besser konzentrieren,
  • sich in die Gefühle anderer Kinder besser versetzen (Empathie),
  • es wird ihm leicht fallen, neue Freundschaften zu schließen (Vernetzung)
  • und last, but not least später eine glückliche Beziehung (gute Ehe) führen können.

In Studien wurde bereits nachgewiesen: Sichere Bindungen während der Kindheit haben positivere Lebensperspektiven im Schlepptau. Dazu gehören eine bessere Lernfähigkeit und eine gute Ausgestaltung der Beziehungen zu anderen Menschen. Kinder mit guter emotionaler Bindungsentwicklung sind prosozial und kaum aggressiv, sind kreativ und ausdauernd, verfügen über mehr Empathie, zeigen gute kognitive Fähigkeiten und sind in der Lage, schwierige Lebenssituationen zu meistern.

Wenn die Bindung zu den Eltern gestört ist

Bindungsstörungen, und dazu gehören auch traumatische Erfahrungen, werden zum Teil über Generationen hinweg weitergereicht, was es zu verhindern gilt. Dazu dient das primäre Präventionsprogramm. Es gibt immer wieder Eltern, die das Gefühl haben, dass ihr Baby sie ablehnt und dies durch sein unablässiges Schreien ausdrückt. Dabei liegt dies vielmehr daran, dass diese Eltern selbst keine optimale Kindheit hatten und ihr emotionales Debakel unbewusst auf ihr Kind projizieren. Dies zurechtzurücken, dafür wurden die SAFE-Kurse gemacht.

Das Bild – Schaufenster in die Kinderseele

Bevor es damit losgeht, macht der Kursleiter mit Dir auf der Grundlage eines Fragebogens ein „Bindungsinterview“. Darin wird recht intensiv auf Deine eigene Bindung zu Deinen Eltern eingegangen. Bereits daran kann der Kursleiter erahnen, warum sich bestimmte Probleme zwischen Dir und Deinem Kind entwickelt haben beziehungsweise noch ausstehen.

Längere Trennungen von den Eltern oder anderen wichtigen Bezugspersonen spielen dabei eine große Rolle. Es braucht schon eine ordentliche Portion Offenheit und Mut, solche Fragen wirklich ehrlich zu beantworten, was nicht selten Traurigkeit oder sogar Weinkrämpfe auslöst. Aber genau das brauchst Du auch, es ist der erste Schritt in die richtige Richtung, die Verarbeiten und Loslassen heißt.

Der Kursleiter wird daran erkennen, ob Du zu denjenigen gehörst, für die eine Trauma-Therapie geboten ist. Vielleicht kommt aber auch heraus, dass Du auf die überaus wertvolle Ressource einer sicheren Bindung zu Deinen Eltern zurückgreifen kannst. SAFE dient in erster Linie dazu, eigene während der Kindheit erfahrene traumatische Erlebnisse eben NICHT an die Kinder weiterzugeben.

SAFE versteht sich als Hilfe zur Selbsthilfe

Die „Sichere Ausbildung für Eltern“ ist ein Angebot für werdende Eltern, die bereits während der Schwangerschaft eine gute Bindung zu ihrem Kind installieren möchten, um eine Art gegenseitiges Urvertrauen anzubahnen. Der Kurs setzt sich aus vier vorgeburtlichen Seminaren und acht weiteren Seminaren im ersten Lebensjahr des Kindes zusammen.

Jedes einzelne Seminar dauert in etwa vier Stunden und findet in der Regel an einem Wochenende statt. Die Kurse sind auch an Alleinerziehende beziehungsweise getrennt lebende Paare gerichtet. Eltern, die bereits Kinder haben, aber noch ein Baby haben möchten, sind ebenfalls gern gesehene Teilnehmer, weil sie wertvolle Erfahrungen einbringen können.

Zum praktischen Einsatz kommt das sogenannte Videointeraktionstraining. Dabei filmen sich die Teilnehmer beim Wickeln, beim Spielen mit dem Kind und auch dabei, auf welche Art und Weise sie ihr Kind beruhigen. Es kann hierbei nicht um ein Rezept für richtig oder falsch gehen, weil jedes Kind sehr individuell, also unterschiedlich, reagiert. Wichtige Themen der Kurse sind Schlafen, Schreien, Beruhigen, Stillen oder die Einführung von Beikost.

Fazit:

Die „Sichere Ausbildung für Eltern“ ist keine Bevormundung, sondern eine wertvolle Begleitung und Unterstützung dafür, eine optimale Bindung zwischen Eltern und Kinder entstehen zu lassen. SAFE klärt über Missverständnisse auf und ist zugleich ein Handwerkszeug für den richtigen Umgang mit dem schreienden Baby. Dabei wirst Du dazu angehalten, Dich auch mal selbst in den Fokus Deiner Aufmerksamkeit zu stellen.

Um die nicht ganz unerheblichen Kursgebühren bezahlen zu können, kannst Du einen Zuschuss beantragen. Weitergehende Informationen bietet das SAFE-Netzwerk, wo Du auch eine(n) kompetente(n) SAFE-Mentor(in) in Deiner Umgebung finden kannst.

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Fachredaktion Adeba
Fachredaktion Adebahttps://magazin.adeba.de/author/fachredaktion/
Ich bin eine Diplom-Psychologin mit Lehrbefähigung, die gerne Texte rund um zwischenmenschliche Beziehungen, Gesundheit und Ernährung schreibt. Manchmal auch über Kultur und Reisen und hin und wieder sogar über Geschichte. Ich freue mich sehr über Eure Kommentare und hoffe, Ihr mögt meine fachlichen Texte, die immer ein wenig meine persönliche Handschrift tragen. Ich möchte Euch rund um die großen Themen Schwangerschaft, Geburt und Kindererziehung informieren, wichtige Anregungen geben und gern auch mal zu einer kontroversen Diskussion provozieren.

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