Donnerstag, Oktober 6, 2022
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Mit Kindern beten lernen

Ich will dir was erzählen, lieber Gott...

Mit Gott reden, wie einem der Schnabel gewachsen ist: Kinder sind da gänzlich unbefangen. Oft sind es die Erwachsenen, die sich damit schwer tun, weil sie das Gebet nicht mehr gewohnt sind. Doch wenn Kinder beten (lernen), bringen sie ihren Alltag, ihre kleinen Freuden und großen Ängste, ihre Wünsche und ihr Staunen vor Gott.

Kinder lernen vor allem durch Nachahmung, viel mehr als durch Erklärungen und Belehrungen. „Du kannst deinen Kindern beibringen, was du willst, sie machen dir doch alles nach.“ So auch beim Beten. Erleben Kinder ihre Eltern oder auch Geschwister betend, werden sie das später auch leichter nachmachen können.

Im Tagesablauf mit Kindern gibt es eine Zeit, die ganz besonders gut Raum bietet für ein gemeinsames Gebet: das abendliche Ins-Bett-Bringen, für das viele Eltern sich ohnehin bewusst Zeit nehmen. Hier ist schon manch anderes Ritual entstanden. Warum nicht an dieser Stelle die Erlebnisse des Tages auch zu einem Gebet werden lassen? Beim Abendgebet können Dinge zur Sprache kommen, die Kinder bewegt haben und sie noch vor dem Schlafengehen beschäftigen: der Dank für das schöne Spiel mit Freundinnen und Freunden, für den leckeren Nachtisch, die Sonne, die Ferien. In der Stille ankommen, die Bitte für das kranke Geschwisterchen oder Haustier, das Mitteilen von Ängsten und Enttäuschungen.

Dabei merken Kinder bald sehr genau, ob z.B. die Wortwahl im Gebet plötzlich eine ganz andere ist, förmlicher oder formelhafter, oder ob so mit Gott gesprochen werden kann wie einem der Schnabel gewachsen ist. Auch werden sie ein feines Gespür dafür haben, ob unser Gebet vor allem aus vorgetragenen Bitten besteht, dass Gott also zuständig ist, unsere Wünsche zu erfüllen, oder ob auch Dank, Lob, Klage und Flehen Raum haben im Gebet.

Und Kinder werden merken, ob unser Gebet uns selbst verändert.

Bin ich – nachdem ich gebetet habe – genauso sorgenvoll und verzweifelt wie vorher? Erlebt das Kind, dass ich vertrauen kann, dass Gott sich meiner Sache annimmt? Dabei wird die Erfahrung von nicht erhörtem Gebet nicht ausbleiben. Auch das ist für Kinder wichtig, damit sie nicht mit einem falschen Gottesbild aufwachsen – sondern trotz Enttäuschungen beten können wie der 5-jährige Andi: „Danke, lieber Gott, und mach weiter so!“

Pfarrer Matthias Clever

Bearbeiter: AM

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