Dienstag, Dezember 10, 2019
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Listerien gefährden Schwangere in besonderem Maße

Immer wieder Skandale in der Lebensmittelindustrie

Es ist noch gar nicht lange her und gewiss noch nicht überwunden, dass todbringende Bakterien in der Wurst der Firma Wilke die deutsche Fleischindustrie um einen weiteren Skandal bereichert hat, da kommt auch schon die nächste Hiobs-Botschaft dieser Art: erneuter Listeriose-Ausbruch in Deutschland. Ein fleischverarbeitender Betrieb in Baden-Württemberg wird verdächtigt, für die flächenhafte Verbreitung von Listerien verantwortlich zu sein.

Bei gesunden Menschen kann eine Listerien-Infektion manchmal harmlos verlaufen. Besonders gefährlich können diese Bakterien aber für Menschen mit geschwächtem Immunsystem und für schwangere Frauen werden, weil die Bakterien direkt auf das ungeborene Kind überspringen können. In schweren Fällen führen Listerien zu Frühgeburten, zu schweren Schädigungen oder zum Tod des Kindes.

Wer ist durch Listerien gefährdet?

Bei Menschen mit intaktem Abwehrsystem können Listerien zum Beispiel uncharakteristische, fieberhafte Reaktionen oder Magen-Darm-Infektionen auslösen, die sich aber bald wieder beruhigen. Schlechter steht es um alte Menschen und alle Personen, die mit einer verminderten Immunabwehr zu kämpfen haben, beispielsweise bei Tumorerkrankungen, HIV oder nach einer Organ-Transplantation. Darüber hinaus sind Listerien für Schwangere gefährlich, insbesondere für das noch ungeborene Kind.

Was sind eigentlich Listerien?

Diese hochgradig genügsamen Bakterien kommen weltweit in verschiedenen Nahrungsmitteln vor. Sogar im Vakuum unter Luftabschluss und bei kalten Temperaturen vermehren sie sich prächtig. Allein durch Erhitzen können die Bakterien abgetötet werden, das heißt, ein Lebensmittel wie ein Stück Fleisch muss auch im Inneren mindestens 2 Minuten lang einer Temperatur von mehr als 70 Grad Celsius ausgesetzt sein.

Eine der bekanntesten Listerienarten ist Listeria monocytogenes. Sie kommt vor allem in Rohfleischerzeugnissen wie Hackfleisch, geräuchertem Fisch oder Rohmilchprodukten wie Rohmilchkäse vor. Da Listerien wirklich allgegenwärtig sind, werden sie nicht selten auch in Salaten nachgewiesen.

Symptome der Listeriose

Meistens beginnt die Erkrankung mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber und Muskelschmerzen. Erbrechen und Durchfälle können sich dazugesellen. Zudem können eitrige Entzündungen an Organen auftreten. Häufig handelt es sich um eine Hirnhautentzündung (Meningitis) oder um eine Blutvergiftung (Sepsis). Manchmal äußert sich der Befall auch als Entzündung des Gehirns (Enzephalitis), der Gelenke (Arthritis), der Herzklappen (Endokarditis) oder der Bindehäute (Konjunktivitis).

Listerien-Infektion während der Schwangerschaft

Falls Listerien schon im Mutterleib auf das Kind übergehen, kann es während der ersten Lebenswoche zu spezifischen Hauterscheinungen, wie bei Frühinfektionen üblich, zum Atemnotsyndrom oder sogar zu einer Blutvergiftung beim Baby kommen. Infiziert sich das Kind erst im Zuge der Geburt im Geburtskanal, kann sich eine Spätinfektion zum Beispiel in Form einer Hirnhautentzündung entwickeln.

Wird die Listeriose bei der Mutter früh erkannt, kann sie gut mit Antibiotika behandelt werden, was zugleich das noch ungeborene Kind schützt. Bleiben die richtige Diagnose und Behandlung aus, können die Folgeschäden für das Kind fatal sein:

  • Frühgeburt
  • Fehlgeburt
  • Totgeburt

Auch in den weniger dramatischen Fällen ist der Zustand des Neugeborenen sehr schlecht. Es ist benommen und leidet an Atemnot, Erbrechen oder Krämpfen, weil sein Immunsystem faktisch noch nicht existiert. Oftmals kommen Haut- und Schleimhautgeschwüre hinzu.

So erkranken die Neugeborenen an Lungenentzündung oder Meningitis und nicht selten stellt sich eine Blutvergiftung (Sepsis) ein. Daher stirbt mehr als die Hälfte der infizierten Babys schon innerhalb der ersten Stunden. Und diejenigen, die das überleben, müssen mit massiven geistigen Entwicklungsstörungen rechnen.

Es kommt auch vor, dass die Infektion dem Baby nicht sofort anzusehen ist, und Wochen bis zum Auftreten der ersten Symptome vergehen.

Wie Du Dich und Dein Kind vor Listeriose schützen kannst?

Die Landwirtschaft in Deutschland ist seit vielen Jahrzehnten wild entschlossen um Ertragssteigerungen durch Überdüngung bemüht. Aus diesem Grunde ist gerade ungewaschener Salat ein Hauptüberträger von Listerien. Hinzu kommen als Bakterienquellen alle Rohfleischerzeugnisse wie Rohwurst, Mett, Salami oder Carpaccio, roher und geräucherter Fisch wie Sushi oder Graved Lachs, vorgeschnitten verpackte Blattsalate und Sprossen, aber auch Rohmilch und Rohmilchprodukte.

Das Listeriose-Risiko senken

  • Darauf achten, dass die Kühlkette nicht unterbrochen wird. Ein längerer Transport bestimmter Lebensmittel im heißen Auto kann problematisch sein.
  • Alle Lebensmittel nach dem Einkauf schnell verbrauchen und dabei aufs Mindesthaltbarkeitsdatum achten. Dies gilt natürlich auch für alle vakuumverpackten, verzehrfertigen Lebensmittel.
  • Gemüse und Obst vor dem Verzehr gründlich waschen.
  • Bei der Lagerung und beim Kochen steht eine gute Hygiene an erster Stelle. Salate niemals in direkten Kontakt mit rohem Fleisch oder Fisch bringen. Dazu gehört auch, dass stets unterschiedliche Messer, Löffel oder Schneidebretter zu verwenden sind.
  • Häufiges Händewaschen ist oberstes Gebot, insbesondere vor der Zubereiten von Speisen.
  • Alle Küchenutensilien müssen nach dem Gebrauch gründlich mit Spülmittel und heißem Wasser gereinigt werden. Lappen, Schwämme oder Bürsten sollten so oft wie möglich erneuert werden. Geschirrhandtücher müssen bei mindestens 60 Grad Celsius gewaschen werden.

Gerade während der Schwangerschaft raten wir, auf den Konsum der üblichen verdächtigen Lebensmittel zu verzichten, die da wären:

  • Rohmilch und Rohmilcherzeugnisse
  • Weich- und Schimmelkäse sowie Käserinde
  • vorgeschnittene Salate
  • roher oder geräucherter Fisch wie Räucherlachs
  • rohes und halbrohes Fleisch  
  • Rohwurstprodukte wie Mett- und Teewurst, Cervelatwurst, Salami, Landjäger, Cabanossi, Chorizo.

Fachredaktion Adeba
Fachredaktion Adeba
Ich bin eine Diplom-Psychologin mit Lehrbefähigung, die gerne Texte rund um zwischenmenschliche Beziehungen, Gesundheit und Ernährung schreibt. Manchmal auch über Kultur und Reisen und hin und wieder sogar über Geschichte. Ich freue mich sehr über Eure Kommentare und hoffe, Ihr mögt meine fachlichen Texte, die immer ein wenig meine persönliche Handschrift tragen. Ich möchte Euch rund um die großen Themen Schwangerschaft, Geburt und Kindererziehung informieren, wichtige Anregungen geben und gern auch mal zu einer kontroversen Diskussion provozieren.

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