Sonntag, November 29, 2020
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Das Zika-Virus erreicht Europa – erste Infektionen in Frankreich

Wie gefährlich ist das Zika-Virus?

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Ende September 2019 hat unter anderem das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) offiziell bestätigt, dass in Deutschland erstmals durch Mücken eine Übertragung des West-Nil-Virus stattgefunden hat. Dass sich im Zuge des Klimawandels tropische Erreger immer weiter nach Norden ausbreiten, ist schon längere Zeit bekannt. Im Sommer 2019 wurden nach Auskunft durch das „European Centre for Disease Prevention and Control“ in Europa zum ersten Mal auch Zika-Virus-Übertragungen nachgewiesen. Sowohl die beiden Betroffenen aus Südfrankreich als auch ihre Sexualpartner waren zuvor nicht in Zika-Gebiete gereist.

Was ist das Zika-Virus?

Das Zika-Virus gehört der Familie der Flaviviren an. Es wurde erstmals 1947 bei einem Affen im Zikawald in Uganda entdeckt. Die Übertragung auf Menschen erfolgt im Wesentlichen durch Mücken. Darüber hinaus kann man sich durch sexuellen Kontakt oder durch Bluttransfusionen anstecken. Infektionen während der Schwangerschaft können beim Fötus zu Fehlbildungen führen.

Meistens verlaufen Zika-Virus-Infektionen sogar ohne oder nur mit geringfügigen Symptomen wie Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen, Hautausschlägen, Fieber oder Bindehautentzündung. Selten treten neurologische Komplikationen wie das Guillain-Barr Syndrom auf.

Infiziert sich eine Frau in der frühen Schwangerschaft, kann es beim Kind zu Hirn– und Schädelfehlbildungen kommen. In Brasilien war es zu einer Zika-Epidemie gekommen, durch die Tausende Säuglinge mit Fehlbildungen geboren worden sind.

Übertragung des Zika-Virus

Meistens erfolgt die Infizierung durch die Gelbfiebermücke Aedes aegypti, die in den Tropen und Subtropen sehr verbreitet ist. Aber auch die anderen Aedes-Mücken wie die asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) können Zika-Viren übertragen. Diese hat sich in der vergangenen Zeit stark in Südeuropa sogar bis Süddeutschland ausgebreitet.

Durch ungeschützten Geschlechtsverkehr kann der Erreger von Reisenden, die sich in Zika-Gebieten aufgehalten haben, übertragen werden. Statistisch häufiger findet eine Ansteckung der Frau durch den Mann statt. Bei schwangeren Frauen gelangen die Viren über die Plazenta auf den Fötus. Reisende aus Zika-Endemiegebieten werden in Deutschland von einer Blutspende mindestens 4 Wochen lang zurückgestellt.

Meldepflicht

In Deutschland besteht seit 2016 für Zika-Virus-Infektionen eine gesetzliche Meldepflicht. Die bisherige Entwicklung sieht zahlenmäßig so aus:

  • 2016 wurden 222 Zika-Virus-Infektionen offiziell gemeldet.
  • 2017 nur noch 68 Fälle.
  • 2018 gab es 18 Infektionen.
  • 2019 mit Stand Oktober bisher 10 Fälle.

Es ist aber auf jeden Fall von einer signifikanten Untererfassung der Infektionen auszugehen, weil die Symptome bei Erkrankung meistens recht mild ausfallen.

Nach Auskunft des Robert-Koch-Instituts (RKI) ist die Ansteckungsgefahr als gering einzustufen, weil ein Infizierter das Virus nur wenige Tage im Blut trägt. Er müsste also relativ bald nach Ankunft in Deutschland von einer Asiatischen Tigermücke gestochen werden, damit diese das Virus dann auf andere Menschen übertragen kann. Doch diese Mückenart kommt gerade mal in Süddeutschland vor und es müsste für eine Übertragung zudem ziemlich heiß sein.

Warum ist das Zika-Virus für Schwangere so gefährlich?

Wie oben bereits angedeutet ist eine Infektion für schwangere Frauen deshalb gefährlich, weil das Virus auf den Fötus überspringen kann. Durch mehrere Studien wurde nachgewiesen, dass eine Infektion beim Fötus zu Fehlbildungen im Gehirn führen kann. Typisch ist zum Beispiel eine pränatale Mikrozephalie, die mit einem sehr kleinen Kopfumfang des Babys verbunden ist, das in diesem Fall meistens geistig behindert bleibt.

Darüber hinaus können sich noch weitere neurologische Auffälligkeiten und Fehlbildungen ergeben. Oftmals wurde im Zusammenhang mit dem Zika-Virus eine Plazentainsuffizienz, eine intrauterine Wachstumsretardierung oder sogar eine Totgeburt beobachtet.

Angriffsziele sind auch die Augen, das Gehör und die Sprache

Die Wirkmechanismen des Virus sind zurzeit noch Gegenstand der Forschung. Eine Gemeinschaftsstudie des Max-Planck-Instituts für Biochemie und der Technischen Universität München gibt Hinweise darauf, dass das Virus bestimmte Proteine menschlicher Zellen nutzt, um sein Erbgut zu vervielfältigen.

Das Fehlen dieser Proteine führt dann dazu, dass sich Stammzellen beispielsweise nicht zu Nervenzellen ausbilden können, was immense Konsequenzen für das Gehirn hat. Wie genau nun eine Mikrozephalie durch das Virus ausgelöst wird, ist aber noch nicht geklärt.

Andererseits weiß man heute recht gut, wie oft eine Zika-Infektion bei der Mutter ein Kind schädigt. Insofern darf von 5 bis 7 Prozent ausgegangen werden, wobei das größte Risiko im ersten Drittel der Schwangerschaft besteht. Die Mikrozephalie ist dabei aber nur die Spitze des Eisbergs.

Recht aktuell untersuchten Wissenschaftler der Universität von Kalifornien in Los Angeles insgesamt 216 Kinder, deren Mütter sich durch Mückenstiche infiziert hatten. Rund ein Drittel der Kinder war eindeutig entwicklungsverzögert, wobei Probleme mit dem Gehör und den Augen im Vordergrund standen. Auch jene Kinder, die mit normalem Kopfumfang geboren worden sind, wiesen motorische, kognitive oder sprachliche Entwicklungsdefizite auf.

Das Zika-Virus gibt noch immer Rätsel auf

Im Jahre 2015 trieb das Zika-Virus in Brasilien sein Unwesen. Es gingen Bilder um die Welt, die viele Säuglinge mit verformten, zu kleinen Köpfen zeigten. Der Erreger breitete sich damals rasend schnell über insgesamt 48 Länder in der Karibik und Lateinamerika aus, sodass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schließlich im Februar 2016 den globalen Gesundheitsnotfall ausrief.

Diese globale Gefahr durch das Zika-Virus war umso überraschender, weil noch wenige Jahre zuvor kaum ein Virologe mit der Möglichkeit einer solchen Entwicklung gerechnet hätte.

Sehr ungewöhnlich ist allerdings, dass rund 95 Prozent der gemeldeten Mikrozephalie-Erkrankungen aus Nordost-Brasilien stammen, obwohl das gleiche Virus in anderen Gebieten ganz ähnlich wütete. Dies warf Fragen nach möglichen Co-Infektionen oder Impfverhalten speziell im Nordosten Brasiliens auf, die aber bislang zu keinen eindeutigen Antworten geführt haben.

Aktuelle Forschung

Positiv bleibt zu bemerken, dass der Zika-Forschung aufgrund des Notfalls in Brasilien viel Geld zugeflossen ist. Diagnostische Tests sind zwar noch nicht perfekt, aber dennoch auf einem guten Weg. Die akute Infektion kann im Urin oder im Blut durch das Erbgut des Virus nachgewiesen werden.

Allerdings ist dies nur ungefähr eine Woche nach dem Auftreten der ersten Symptome gegeben. Danach kann die Infektion mit einer gewissen Fehleranfälligkeit via Antikörper konstatiert werden. Auch werden gerade mehrere Impfstoffe entwickelt, von denen aber noch keiner die Marktreife erreicht hat. Ähnlich gebärdet sich die Situation bei Medikamenten.

Wenngleich das Zika-Virus für Erwachsene eher harmlos ist, kann es für ungeborene Kinder schwerwiegende Folgen haben und muss deshalb als sehr gefährlich eingestuft werden.

Wie kann ich mich auf Zika-Virus testen lassen?

Sofern Du innerhalb von circa 14 Tagen nach Rückkehr aus einem Zika-Gebiet grippeähnliche Symptome entwickelst, solltest Du den Arzt aufsuchen und ihm entsprechende Hinweise geben. Das Virus kann dann durch einen Urin– oder Bluttest nachgewiesen werden. Umfassende Zika-Virus-Diagnostik gibt es zum Beispiel am Münchener Max-von-Pettenkofer-Institut und am Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin.

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Fachredaktion Adeba
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Ich bin eine Diplom-Psychologin mit Lehrbefähigung, die gerne Texte rund um zwischenmenschliche Beziehungen, Gesundheit und Ernährung schreibt. Manchmal auch über Kultur und Reisen und hin und wieder sogar über Geschichte. Ich freue mich sehr über Eure Kommentare und hoffe, Ihr mögt meine fachlichen Texte, die immer ein wenig meine persönliche Handschrift tragen. Ich möchte Euch rund um die großen Themen Schwangerschaft, Geburt und Kindererziehung informieren, wichtige Anregungen geben und gern auch mal zu einer kontroversen Diskussion provozieren.

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