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Es kommt mal wieder ein neues Medikament, diesmal mit der Bezeichnung „Vyleesi“, auf den US-Markt. Sinn der Sache ist nicht etwa die Behandlung einer Krankheit, sondern die begehrte Steigerung des weiblichen Sexualtriebs. „Hypoactive sexual desire disorder“ (HSDD) klingt zumindest nach einer ernsthaften Erkrankung, die man bereits mit dem Arzneimittel „Addyi“ in den Griff zu kriegen versucht hat. Doch es gibt Nebenwirkungen, die den Spaß schmälern.

Vyleesi heißt das neue „Viagra für Frauen“

Ende Juni 2019 brachte der US-Pharmakonzern „Amag Pharmaceuticals“ das neue Präparat für die Lust der Frau auf den Markt. Freigegeben wurde das Medikament mit dem Wirkstoff „Bremelanotid“ von der US-Gesundheitsbehörde FDA. Nach Addyi mit dem Wirkstoff Flibanserin im Jahre 2015 ist Vyleesi nun das zweite Medikament, das den Frauen vor der Menopause dabei helfen soll, etwas mehr Spaß am Sex zu haben. Die subkutane Injektion soll vor allem eine erworbene, generalisierte HSDD eindämmen, damit die davon betroffenen Frauen wieder so richtig am Leben teilhaben können.

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Was genau ist HSDD?

Hypoactive Sexual Desire Disorder ist wohl die klinisch häufigste Form von „Female Sexual Dysfunction“ (FSD). Den davon betroffenen Frauen mangelt es an sexuellen Fantasien und Verlangen, was jede partnerschaftliche Beziehung nachhaltig gefährden kann. Allerdings ist die Diagnose zuweilen zu schnell aus dem Ärmel gezogen, denn die Ursache für die Unlust kann auch auf eine psychiatrische Störung, eine anderweitige körperliche Erkrankung oder auf einen Wirkstoff in einem Medikament zurückgehen.

HSDD kommt bei Frauen jeden Alters vor, also sowohl prä- als auch postmenopausal. Hinsichtlich der Pathophysiologie bei HSDD gibt es nicht wirklich viele gesicherte Erkenntnisse, sondern eher nur gewichtig klingende Spekulationen darüber, dass möglicherweise ein Ungleichgewicht zwischen den inhibitorischen und exzitatorischen Faktoren auf der neurobiologischen Ebene vorliegt.

Wie ist die Diagnose HSDD zu bewerten?

Umfragen in den USA ergaben, dass 8 bis 14 Prozent der Frauen des Altersbereiches 20 bis 49 Jahre unter HSDD leiden. Doch ist ein eingeschränkter Sexualtrieb sogleich eine Krankheit? Vielleicht steckt ja vielmehr der Wille der Pharmaindustrie dahinter, den Menschen Krankheiten einzureden? Offensichtlich gibt es da eine Überzeugung, dass Frauen sexuelle Probleme, denen man einen hippen medizinischen Namen gibt, eingeredet werden müsse.

Erster Versuch für ein Frauen-Viagra

Schon die Bezeichnung Viagra für Frauen führt völlig weg von der Realität, denn Flibanserin wirkt auf die Psyche, während der Viagra-Wirkstoff Sildenafil lediglich die Arterien erweitert mit der eher mechanischen Folge, dass die Schwellkörper im Penis ganz lokal besser mit Blut versorgt werden. Was beide Medikamente in der Tat gemeinsam haben: Beide Wirkstoffe wurden ursprünglich mit ganz anderen Zielen entwickelt. Bei Viagra stand die Blutdrucksenkung im Fokus und mit Flibanserin wollte man Depressionen in den Griff kriegen.

Die Antibabypille für den Mann – kommt sie wirklich?
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Die weibliche Libido ist ein Ergebnis der Verteilung der Botenstoffe Dopamin und Serotonin im Gehirn. Flibanserin senkt etwas das lusthemmende Hormon Serotonin. Entsprechend steigt dadurch die Blutkonzentration der Hormone Dopamin und Noradrenalin, die beide positiv auf die Lust der Frau einwirken.

Doch einfach nur eben mal schnell eine Pille einzuwerfen, um sogleich abzugehen wie eine Rakete, so geht das nicht. Flibanserin wirkt zwar ziemlich unmittelbar auf die Neurotransmitter im Gehirn ein, aber dadurch wird die Libido nicht direkt gesteigert. Erst eine langfristige tägliche Einnahme, man spricht hier auch von einer medikamentösen Einstellung, kann eine gewisse Wirkung entfalten.

Und nun reden wir über die Nebenwirkungen

In Verbindung mit Alkohol und einigen anderen Medikamenten kann bei dem etwas älteren Addyi starker Blutdruckabfall bis hin zur Ohnmacht eintreten. Als die Zulassung von Flibanserin in den Jahren 2010 und 2013 abgelehnt wurde, haben die Bewertungsgremien wohl gewusst, was sie tun.

Schläfrigkeit, Erschöpfungszustände, starker Schwindel und Übelkeit, das waren die Erfahrungsberichte von mehr als zehn Prozent jener Frauen, die Flibanserin eingenommen haben. Zwar traten solche Erscheinungen auch in der Placebo-Gruppe auf, allerdings nur im Range von zwei bis fünf Prozent. Darüber hinaus wurde noch über Schlaflosigkeit, einen trockenen Mund und Angstgefühle berichtet, die wohl durch das Medikament ausgelöst wurden.

Viagra für Frauen – zweiter Versuch

Mit dem Wirkstoff Bremelanotid, der in Vyleesi enthalten ist, erhoffte man sich eine effiziente Stimulanz von Rezeptoren im Körper der Frau, die für die Ausprägung der Libido zuständig sind. Der Einsatz für den großen Erfolg sei überschaubar, muss sich die Frau doch nur 45 Minuten vor dem Liebesspiel das Medikament unter die Haut spritzen, egal ob sie sich die Nadel in die Oberschenkel oder in den Bauch sticht. Ziel der Sache ist, dass das Bremelanotid die Melanocortinrezeptoren im zentralen Nervensystem stimuliert.

Wieder sind Nebenwirkungen zu beklagen

Über mehr oder weniger heftige Hautreaktionen an der Injektionsstelle wollen wir hier gar nicht reden. Auch die damit einhergehenden Kopfschmerzen haben bei Frauen nicht so viel zu sagen. Doch dass ungefähr 40 Prozent der Bremelanotid-Patientinnen sogleich nach der Injektion unter starker Übelkeit und Erbrechen litten, ist gewiss nicht gerade ein luststeigerndes Indiz.

Positiv sei hier anzumerken, dass dieses „Viagra für Frauen“ nur bei einem Prozent der Probandinnen zu Dunkelfärbungen der Brüste und des Zahnfleisches führte. Als negativ ist aber schon zu bewerten, dass sich diese Erscheinung auch nach dem Ende der Therapie nicht mehr zurückbildeten.

Abschließend sollte an dieser Stelle noch erwähnt werden, dass Vyleesi bei vielen Patientinnen zu einer Blutdruckerhöhung geführt hat, die sich aber meistens innerhalb von zwölf Stunden wieder normalisierte. Dennoch warnt die FDA vor unkontrollierten Blutdruckschwankungen infolge der Einnahme dieses Medikaments.

Viagra für Frauen ohne Wirkung?

Schon beim ersten Versuch mit Addyi war Skepsis mehr als angebracht, ob sich die Anwendung des Medikaments bei solchen Nebenwirkungen überhaupt lohnen kann. Ob nun der zweite Versuch zu besseren Ergebnissen führt, ist schon heute mehr als umstritten.

Die FDA empfiehlt jedenfalls, Vyleesi nicht häufiger als einmal pro Tag und achtmal pro Monat zu genießen. Patientinnen, denen Vyleesi nach acht Wochen der Therapie nicht geholfen hat, sollten zudem das Arzneimittel besser wieder absetzen.

Lustlosigkeit hat viele Gesichter. Lebensumstände wie eine Schwangerschaft, die Stillzeit, eine Krankheit, bestimmte Medikamente, Alkoholsucht oder eine glücklose Partnerschaft sind nur einige der möglichen Erklärungen. In Deutschland gibt es heute (noch) kein vergleichbares Viagra für Frauen und das ist vor diesem Hintergrund vielleicht auch gut so.

Unser Fazit:

Es wäre zu schön, um wahr zu sein, wenn weibliche Lust auf Knopfdruck herbeigeführt werden könnte. Zugegeben, die weibliche Psyche mag zuweilen kompliziert sein, aber anstatt die Lust der Frau chemisch zu bombardieren, könnten die Herren der Schöpfung auch mal versuchen, sie mit Charme, Witz und ein bisschen Intelligenz zu voller Blüte zu bringen. Worauf aber die Wissenschaft unbedingt ihr Augenmerk richten sollte, das ist die Ursachenforschung zur HSDD.

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