Werbung 1

Hast Du auch manchmal das Gefühl, dass Dein Partner irgendwie anders mit Deinem Kind umgeht und das Kind trotzdem erstaunlich positiv auf seinen Vater reagiert? Dann stehst Du mit diesem Eindruck nicht ganz alleine da. Sogar Pädagogen und Soziologen haben sich schon wissenschaftlich mit der Frage auseinandergesetzt, ob Väter anders erziehen als Mütter, und versuchen, das Geheimnis der Väter zu enträtseln.

Väter erziehen Töchter anders als Söhne

Selbstverständlich haben sich die Geschlechter in den westlich geprägten Industrienationen auf vielen Ebenen angenähert. Das ist eine gewollte Folge eines bereits Jahrzehnte währenden Prozesses des gesellschaftlichen Wandels. Dennoch bleiben da alte Rollenbilder auf Dauer in unseren Köpfen fest verdrahtet und genau dies trägt mehr oder weniger bewusst dazu bei, dass Mama und Papa ganz unterschiedliche Erziehungsstile an den Tag legen.

Werbung 2

Früher war es der Erstgeborene, der Haus und Hof oder den traditionsreichen Familienbetrieb weiterführen sollte. Die danach folgenden Söhne wurden bewusst zu eigenständigen Männern erzogen, um in die große weite Welt hinaus zu ziehen und mit der Kunde aus der Heimat ihr Glück zu finden.

Die Töchter lernten indes alles, was häuslich ist, denn ihr Schicksal ergab sich eines Tages in der Ehe, aus der heraus sie ihre Versorgung fanden. Natürlich denkt heute niemand mehr so antiquiert und rückwärts gewandt, sind doch jetzt alle Frauen, also auf jeden Fall in Deutschland, emanzipiert. Doch Vorsicht, in unser aller Unterbewusstsein sind noch etliche rudimentäre Rest der „guten alten Zeit“ übrig geblieben.

Auch vermeintlich moderne Väter wollen aus ihren Söhnen ganze Männer machen. Sie sollen ihnen eines Tages echte Kumpel auf Augenhöhe sein. Töchterchen ist dagegen Papas hübsche kleine Prinzessin, die um jeden Preis vor jedem und allem beschützt werden muss. Die Tochter ebenso robust zum harten Zupacken wie den Sohn zu erziehen, das gelingt nur in äußerst seltenen Einzelfällen. Und wenn dies einem Vater mal halbwegs gelingt, liegen immer noch Welten zwischen seiner Art der Erziehung und jener der Mutter.

Schon bei den ganz Kleinen fängt es an

Die Geburt des Kindes durch die Mutter und das anschließende Stillen des Säuglings an der Mutterbrust lassen den Vater zu Recht daran zweifeln, ob er jetzt überhaupt noch zu gebrauchen ist. Die enge Bindung zwischen Mutter und Kind ist und bleibt für jeden Mann unerreichbar. Das Fremdeln des Vaters mit dem Kinde bleibt so eine ganze Weile bis ins Kleinkindalter erhalten. Im Grunde genommen ist Papa immer etwas zu grob für das kleine, zarte Kindlein und das weiß er auch.

Die Mutter folgt im Umgang mit dem Baby einem ziemlich klaren Tagesablauf, der sich an den Bedürfnissen des Kindes orientiert. Der Vater stört hingegen den Prozess mit spontanen Spielideen, will unbedingt ausprobieren, was das kleine Menschlein eventuell schon kann.

Doch dieser „Blödsinn“, der die Mutter zuweilen sogar etwas wütend macht, ist für die Entwicklung des Kindes ein außerordentlich wichtiger Impuls. Mamas Routine vermittelt dem Kind Sicherheit und Geborgenheit, durch die täglich wiederkehrenden Abläufe lernt das Kind viel über seine Lebenswelt. Doch diese komischen Sachen, die Papa immer verzapft, wecken die Neugierde des Kindes.

Gar lustig ist das Vaterleben

Die Mutter ist ihrem angeborenen Beschützerinstinkt geradezu ausgeliefert. Ihr geht es nur darum, jede potenzielle Gefahr vom Kind fernzuhalten. Nun, irgendwie wollen die Väter das ja auch. Aber ihre Art der Umsetzung ist schon manchmal bemerkenswert. Sehr deutlich wird das, wenn Du mal das typische Geschehen auf einem Spielplatz beobachtest. Die Mütter achten genauestens darauf, dass die ganz kleinen Krabbler ja nicht auf die Idee kommen, nachzumachen, was sie gerade den größeren Kindern abgeschaut haben.

Wenn der Vater merkt, dass das Kleinkind auch mal an der oberen Stange hängen möchte, dann hebt er es hoch, lässt das Kind die Stange umgreifen und nimmt seine Hände weg vom Kind. Tatsächlich kann es sich ganz wenige Sekunden halten, dann versagt die Kraft in den kleinen Fingern, das Kind fällt, aber schon sind die starken Hände des Vaters wieder da und fangen das Kind kurz vor dem Aufschlagen im Sand auf. Weil er den Ablauf wusste, konnte er das so machen. Interessant für ihn war es lediglich, die Zeit zu messen, die sein Kind alleine hängen konnte.

Väter handeln oft intuitiv richtig

Alles richtiggemacht, kann man da nur sagen. Psychologen pflichten hier bei, dass aufmerksames Beobachten, Abwarten, geschehen lassen und Hilfe beziehungsweise Zugriff nur ganz am Schluss genau die richtige Herangehensweise ist, wenn Kinder spielerisch eine Herausforderung suchen. Das Kind darf sich auch mal einen Moment lang etwas „quälen“, denn so erlernt es den Bezug zum eigenen Körper.

Diese wichtige Erkenntnis scheint wohl den Vätern in die Wiege gelegt worden zu sein, denn so gehen sie intuitiv heran an die Sache. Da wird gar nicht viel nachgedacht und geplant. Erst machen und dann „schau ma mal“. Das Kind jedenfalls hat so gar kein Problem damit, sich auch mal etwas ganz Schweres zuzutrauen. Notfalls ist ja Papa da und fängt mich auf. So in etwa argumentiert Prof. Fabienne Becker-Stoll, die Direktorin des Münchener Staatsinstituts für Frühpädagogik.

Die Ermutigung durch die Väter wirkt lange nach, meistens das ganze Leben. Sich einer neuen Situation stellen, es einfach mal ausprobieren und Probleme dann zu lösen, wenn sie auftreten, das sind charakterliche Stärken, die in der frühen Kindheit angelegt werden müssen. Und meistens werden sie von Vätern angelegt. Dies bezieht übrigens auch die Fähigkeit zum Aufbau einer guten Partnerschaft mit ein. Wer diesbezüglich zu zögerlich ist, wird es schwer haben, eine gute Ehe führen zu können.

Insofern ist es richtig, dass es sehr wohl schon Kleinkinder spüren, dass Papa irgendwie anders spielt. Frau Becker-Stoll führt dazu weiter aus, dass der erzieherische Unterschied ein großer Gewinn für kleine Kinder ist. Würden sich Väter wie Mütter verhalten, würde dies eine deutliche Verlangsamung der Entwicklung der Kinder mit sich bringen.

Mehr Rechte für Väter unehelicher Kinder in Deutschland

Was Väter dennoch beherzigen sollten

Der feinfühlige Vater lässt sein Kind seine Überlegenheit nicht spüren. Was gut geworden ist, ist immer das Verdienst des Kindes. Deshalb lässt sich der starke Papa im Zweikampf auch von seinem Kind besiegen, gerade dann, wenn es ein kleines Mädchen ist.

Die modernen Väter müssen in der Sache noch viel lernen, sicherlich auch durch das Experiment, denn es mangelt schlicht an guten Vorbildern. Vor 20 oder 30 Jahren war es noch recht ungewöhnlich, dass Männer viel Zeit mit Kleinkindern verbrachten. Viele Väter wissen selbst darum, dass es ihnen schwerfällt, mit ihren Kindern wirklich altersgerecht zu spielen.

Wir empfehlen den frisch gebackenen Vätern, mindestens an einem Tag der Woche ausreichend viel Zeit als „Spielzeit“ zu reservieren. Dann wird wirklich nichts Anderes getan, als konzentriert mit dem Kind nach dessen Belieben zu spielen. Da gibt es keinen einzigen verstohlenen Blick zum Fußballspiel, zum PC oder auf das Smartphone.

Bremst die Väter nicht aus

Leider ist immer wieder festzustellen, dass die überbesorgte Mutter den „wilden“ Vater beim Spielen ausbremst. In der Soziologie ist dieses Verhalten als „maternal gatekeeping“ bekannt. Die Mutter überwacht „die Pforte zum Kind“ und setzt ihren Standard für die Erziehung, den kaum ein Vater zu erfüllen in der Lage ist. Damit blockiert sie ihn geradezu in seiner Verantwortung.

Es liegt wahrlich in der Hand der Mutter, wie sehr sich der Vater bei der Erziehung des Kindes engagiert. Dies bestätigt eine US-Studie aus dem Jahre 2008. Väter, so der Tonfall, die einer permanenten mütterlichen Kritik ausgesetzt sind, ziehen sich aus dem Erziehungsgeschehen nach und nach zurück. Auf der anderen Seite, und das war auch ein Ergebnis dieser Studie, werden Väter durch Ermutigungen seitens der Mutter positiv bestärkt und wachsen beim Spielen mit den Kindern geradezu über sich hinaus.

Dass Väter für die Entwicklung der Kinder nicht minder wichtig sind wie die Mütter, ist inzwischen schon eine fast alte Weisheit. Daher ist es Dein gutes Recht, von Deinem Partner einzufordern, noch mehr mit dem Kind zu spielen. Dein Kind wird es Dir danken.

Weitere Infos und Bücher zum Thema bei unserem Partner:
Weitere Infos und alle Preise (Partner-Link)

Komm in unser großes Mütteforum mit 3 Millionen Beiträgen
Eltern und Mütter Forum

Werbung 3

Dir gefällt dieser Artikel? Ja! Du willst mehr Artikel von uns lesen? Ja! Du willst, dass wir in Adeba weitermachen? Ja! Dann unterstütze bitte unser Projekt mit einer Spende für die Kaffeetasse als Anerkennung für die vielen Autoren. :-).




Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here