Freitag, Oktober 23, 2020
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Wer viel raucht und isst, riskiert im Alter Schwerhörigkeit

Neue umfangreiche Studie zeigt: Rauchen und Übergewicht führen schneller zu Hörschäden

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An der aktuellen, umfangreichen Studie waren neun audiologische Zentren in sieben europäischen Ländern beteiligt. Die Wissenschaftler der Universität Antwerpen werteten die Daten von insgesamt 4.083 Männern und Frauen zwischen 53 und 67 Jahren aus, die sich jeweils einem Hörtest unterziehen und einen Fragebogen zu ihren Arbeitsbedingungen, Lebensgewohnheiten und ihrer medizinischen Vorgeschichte ausfüllen mussten.

Erstes, wenig überraschendes Ergebnis: Eine hohe Geräuschbelastung am Arbeitsplatz war Hauptrisikofaktor für Hörschäden. Überraschender dagegen das zweite Ergebnis, dass augenscheinlich Rauchen und Übergewicht in deutlichem Zusammenhang mit der Ausbildung von Schwerhörigkeit stehen: Je mehr die Teilnehmer geraucht hatten, desto schlechter konntensie bestimmte Frequenzen wahrnehmen, und je höher der Body Mass Index (BMI = Maßeinheit des individuell günstigsten Körpergewichts) einer Person war, desto wahrscheinlicherwar es, dass sein Gehör in gleicher Weise schlechter funktionierte. Das Ausmaß des Schadens hängt also offenbar direkt mit dem Ausmaß des Übergewichts und der Intensität des Rauchens zusammen: „Der Verlust der Hörfähigkeit ist direkt proportional mit den gerauchten Zigaretten und dem BMI“, erklärt Erik Fransen, einer der leitenden Wissenschaftler von der Universität Antwerpen. Betroffen war bei Rauchern und stark Übergewichtigen hauptsächlich das Hörvermögen hoher Frequenzen. Besteht eine Schädigung erst einmal, so Experten, gibt es keine Aussicht auf Besserung; die Schäden sind irreversibel.

Als Ursache der Schwerhörigkeit vermuten die Wissenschaftler, dass die beiden Faktoren Nikotin und Übergewicht nicht nur negativen Einfluss auf den Blutkreislauf an sich haben, sondern besonders auch die Durchblutung des Innenohrs beeinträchtigen. Dabei sterben für das Hören bestimmter Frequenzen wichtige Sinneszellen (die so genannten Haarzellen) im Innenohr ab, weil sie nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Erstaunlicherweise fanden die Forscher bei der Analyse ihrer Daten ebenfalls heraus, dass offenbar Alkohol in Maßen – mindestens ein Gläschen pro Woche – dem Gehör hingegen nutzt. Verantwortlich für diesen schützenden Effekt, so die Wissenschaftler, könnte sein, dass Alkohol die Blutzirkulation verbessert.

Nach Ansicht Fransens ist der Hörverlust im Alter also zu einem gewissen Grad vermeidbar; Umwelteinflüsse und Lebensstil seien zu etwa 50 Prozent für die Hörschäden verantwortlich. Dass es einen Zusammenhang zwischen Zigarettenkonsum und Hörverlust gibt, hatten in der Vergangenheit bereits andere Studien belegt. So untersuchten Mitarbeiter der Universität von Wisconsin, USA, 1998 den Zusammenhang zwischen Rauchen und Gehörverlust bei 3.753 Erwachsenen zwischen 48 und 92 Jahren anhand von Fragebögen und audiometrischen Tests. Diejenigen, die zum Zeitpunkt der Studie rauchten, wiesen ein um 70 Prozent erhöhtes Risiko für Hörverlust auf, wobei das Risiko mit der Tagesdosis an Zigaretten stieg. Fünf Jahre später wies eine umfassende Studie an 4.624 Stahlarbeitern in Japan nach, dass die Kombination von Lärm und regelmäßigem Zigarettenkonsum das Risiko verdoppelt, einen Hörverlust zu bekommen.

Die aktuelle Studie liefert jedoch die bisher umfassendsten und eindeutigsten Belege und berücksichtigt zudem weitere Faktoren. Sie zeigt auf, dass sowohl Rauchen als auch Übergewicht ernst zu nehmende Risikofaktoren sind und zu einem bleibenden Hörverlust führen können, was sich in den meisten Fällen allerdings vermeiden ließe. Denn mit einer gesunden Ernährung und Lebensweise – und insbesondere durch den Verzicht auf das Rauchen – kann das Hörvermögen grundsätzlich bis ins hohe Alter erhalten bleiben.

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