Zum Thema Nährwertkennzeichnung hat Frankreich einen interessanten Vorstoß gewagt. Seit Oktober 2017 gibt es dort den sogenannten Nutri-Score, der optisch etwas an die Bewertung der Umweltfreundlichkeit von Waschmaschinen oder Kühlschränken erinnert. Ungefähr 60 französische Hersteller und Händler von Lebensmitteln, darunter auch DANONE, bedienen sich inzwischen freiwillig dieser übersichtlichen farblichen Kennzeichnung ihrer Produkte. Und die ersten Unternehmen haben das neue Nutri-Score Bewertungssystem auch schon nach Deutschland „exportiert“.

Nutri Score https://fr.openfoodfacts.org/ [Public domain], via Wikimedia Commons
Nutri Score https://fr.openfoodfacts.org/ [Public domain], via Wikimedia Commons
Ab 2019 werden wir auf den Verpackungen deutscher Milchfrischprodukte den Nutri-Score zu bekommen. Mit den Produkten Fruchtzwerge, Actimel und Activia gehört Danone ab Februar 2019 zu den Aktivisten auf dieser Linie. Bis zum Jahresende werden fast alle Danone-Marken mit der fünfstufigen Nutri-Score-Ampel ausgestattet sein. Nur geringfügig hinterher hinkt Iglo mit seinen Absichten. Aber schon bis Ende März 2019 werden dessen Fischpackungen um den Nutri-Score bereichert sein. Beim Gemüse dauert’s noch bis zur ersten Ernte.

Aber was ist der Nutri-Score?

Es geht schon wieder um eine weitere Kennzeichnung auf der Vorderseite von -Verpackungen. Dieses „Label“ gewährt allen Konsumenten eine unmittelbare Erkenntnis zum Nährwert des Lebensmittels. Die Kennzeichnung ist in jedem Fall das Ergebnis von standardisierten durch Lebensmittelchemiker. Zugrunde gelegt wurde eine fünfstufige Farbskala, die von Dunkelgrün bis Rot reicht, und zusätzlich mit den Buchstaben von A (für vorteilhafte Nährwertqualität) bis E (für ungünstige Nährwertqualität) gekennzeichnet ist. Wer auf eine ausgewogene Ernährungsweise Wert legt, dem wird der Nutri-Score die Auswahl von Lebensmitteln erleichtern.

In die Bewertung fließt der Gehalt an physiologisch „problematischen Bestandteilen“ wie Zucker, Fett oder Salz in Abwägung mit den positiven Nahrungsbestandteilen wie Ballaststoffe, Gemüse, Früchte oder Proteine ein. Das neue Ampelsystem soll den Verbrauchern eine wichtige Hilfestellung bei den Kaufentscheidungen sein. Es wird auf lange Sicht sehr wahrscheinlich die detaillierten, klein gedruckten Listen aller Inhaltsstoffe, die die meisten Verbraucher überfordern, ablösen. Zunächst ist das neue Label aber als hilfreiche Ergänzung der Nährwerttabelle anzusehen.

Den Nutri-Score genauer verstehen

Der Abgleich der günstigen und ungünstigen Nährwertelemente eines Lebensmittels erfolgt in drei Schritten:

  1. Pro 100 Gramm eines Lebensmittels (das gilt auch für Getränke) werden die Anteile der günstigen und eher ungünstigen Nährwertelemente ermittelt. Zu den ungünstigen Nährwertelementen gehören zum Beispiel der Energie-Inhalt (Kalorien), der Gesamtzuckergehalt, gesättigte Fettsäuren und Natrium (Kochsalz). Per Definition sind günstige Nährwertelemente Ballaststoffe, Obst und Gemüse, Nüsse und Proteine. Auf Basis der Bewertungsskala des „Rayner-Score“ werden jedem einzelnen Nährwertelement Punkte zugeordnet.
  2. Alle festgestellten Punkte werden so miteinander verrechnet, dass sich schlussendlich ein entsprechend gewichteter Gesamtwert für ein Lebensmittel ergibt. Generell gilt, dass bei hochwertigen Nährwertprofilen die Punktzahl klein ist.
  3. Die Farbskale des Nutri-Score bildet das Ergebnis leicht erkennbar mit den Bewertungs-Buchstaben vom dunkelgrünen A bis zum roten E ab.

Entwicklung des Nutri-Score

Die Entwicklung des Nutri-Score ergab sich aus den Arbeiten der Ernährungswissenschaftler Prof. Hercberg und Prof. Rayner. Letzterer war in der Sache für die britische FSA (Food Standards Agency), tätig, die nach einem System suchte, nachdem Nährwertprofile standardisiert berechnet werden können. Das Team um Hercberg griff diesen „Rayner-Score“ auf und setzte diesen ab 2014 so um, dass daraus ein neues Kennzeichnungssystem entstand, das auf alle Lebensmittel und Getränke angewendet werden kann. Der Nutri-Score ist ein griffiges Maß für deren Nährwertqualität.

Gleich zwei Studien in Frankreich befassten sich mit der Evaluierung des Nutri-Score. Zu diesem Zweck wurden dort groß angelegte Verbraucher-Befragungen durchgeführt, die ergaben, dass das Label im Sinne eines „Front of Pack“-Labels leichter zu erkennen und zu verstehen ist als beispielsweise das GDA-Label oder die „multiple Ampel“.

Weitere fünf Studien richteten ihren Fokus auf das tatsächliche Kaufverhalten der Verbraucher. Im Ergebnis wurde festgestellt, dass sich die Nährwertqualität der eingekauften Produkte mit Nutri-Score-Kennzeichnung im Durchschnitt signifikant verbesserte gegenüber den Einkäufen mit anderen oder gar keinen Labels. Ganze 90 Prozent der befragten Personen bewerten den Nutri Score als positiv. Nicht wenige Verbraucher gaben sogar an, dass sie ihr Kaufverhalten durch den Nutri-Score umgestellt haben.

Die Verbraucherzentrale befürwortet das neue Label

Auch die deutsche Verbraucherzentrale spricht sich für die Farb-Kennzeichnung der Lebensmittel nach dem französischen Muster aus, weil diese eine gesündere Ernährung der Verbraucher deutlich erleichtert. Fertigprodukte seien nicht nur negativ anzusehen. Der Nutri-Score fasst deren positive und negative Elemente in einem einzigen Wert zusammen. Zurzeit können die Hersteller dieses Logo (noch) auf freiwilliger Basis verwenden. Bis zum Sommer 2019 will die Bundesernährungsministerin Julia Klöckner ein vergleichbares „deutsches“ Modell erarbeiten lassen, wofür sowohl die Verbraucherschutzverbände als auch die Vertretungen der Lebensmittelwirtschaft an einem sitzen werden.

 

Bücher und viele weitere Infos zum Thema könnt Ihr hier finden:
Besuchen Sie unser Shop und

Lies was andere über das Thema wissen und sagen in unserem Forum.
Komm zu uns ins Adeba-Forum

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here