Mittwoch, Dezember 2, 2020
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Doula – Eine erfahrene Geburtsbegleiterin an Deiner Seite

Was die Doula alles für Dich tun kann

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Was ist denn nun wieder eine „Doula“? Wie empfindest Du erst einmal die Schwingung dieses Wortes? Steckt etwas Bedrohliches oder eher etwas Weiches darin? Richtig, Letzteres passt ja auch besser auf eine Geburtsbegleiterin. Die Doula ist den Gebärenden und ihren Partnern eine große Hilfe während der Schwangerschaft und der Geburt und darüber hinaus noch im Wochenbett. Sie kümmert sich gleich einer Mutter, die um die Nöte der Schwangeren und werdenden Mama sehr genau Bescheid weiß.

Aber worin liegt der Unterschied zwischen der Doula und der Hebamme?

Der Begriff „Doula“ leitet sich von dem griechischen Wort „douleia“ ab, was in etwa „Dienerin der Frau“ bedeutet. Es handelt sich dabei um eine geburtserfahrene Frau, die dazu in der Lage und willens ist, eine Schwangere während der Geburt zu begleiten und zu unterstützen.

Dass eine Doula selbst schon Mutter meistens mehrerer Kinder ist, braucht hier gewiss nicht sonderlich betont zu werden. Erfahrung ist in dieser Sache das Zauberwort und Du kannst davon ausgehen, dass Deine Geburtsbegleiterin selbst Geburten hinter sich gebracht hat, um sehr gut zu wissen, in welcher Situation Du als Gebärende gerade steckst. Die Doula ist selbstverständlich bei der Geburt dabei. Sie ist sozusagen Dein „Anwalt“ und tritt als verstehende Mittlerin zwischen Dir und Deiner Hebamme beziehungsweise dem Entbindungsteam auf.

Während eine Hebamme durchaus auch für Elemente der medizinischen Versorgung mitverantwortlich ist, konzentriert sich die Doula auf Deine emotionale Unterstützung, die mindestens ebenso wichtig ist. So kann sie kein Ersatz für eine Hebamme sein, aber sie ist eine ganz wichtige Bereicherung des Geburtsteams.

Die Doula steht in langer Tradition

Früher war es absolut selbstverständlich, dass schwangere Frauen während der Geburt von geburtserfahrenen Frauen, das war zum Beispiel die Mutter, eine ältere Schwester oder eine Freundin, unterstützt wurden. Doch unser modernes Leben ist wahrlich nicht einfacher geworden.

Die meisten Entbindungen werden im Kreißsaal einer größeren Klinik nach Planvorgabe „erledigt“. Das medizinische Personal kommt und geht ganz gemäß den persönlichen Dienstplänen und die Hebamme ist dank steuernder und optimierender Wehenmittel mit mehreren Geburten gleichzeitig beschäftigt, also zumindest bis zum Schichtwechsel. So funktionieren heutzutage Geburten am Fließband.

Nie war die Doula wichtiger als heute, könnte man sagen, damit Frauen eine selbstbestimmte Geburt widerfahren können, was ihr gutes Recht ist. Individuelle Wünsche und Empfindungen können nur so einen Ansatz von Berücksichtigung finden. Das Ganze hat viel mit Frauenrechten zu tun. Da es in Deutschland zu einem hausgemachten Hebammenmangel gekommen ist, den Politikern sei „gedankt“ dafür, können sich die werdenden Eltern kaum noch ihre Hebamme aussuchen.

Begleitung durch die Doula

Während der Schwangerschaft gibt es in der Regel zwei bis vier Treffen mit der Geburtsbegleiterin. Erst ungefähr zwei Wochen vor dem berechneten Geburtstermin beginnt die 24-stündige Rufbereitschaft. Bei der Geburt ist die Doula von der ersten Wehe an bis mindestens zu dem Zeitpunkt, wenn Du Dein Kind in den Armen hältst, jeden Augenblick für Dich da.

Sie fertigt auch einen Geburtsbericht an und es gibt noch zwei weitere Treffen, bei denen sie sich nach Deinem Befinden erkundigt. Bei Bedarf wird Dir Deine Doula wichtige Ansprechpartner vermitteln, dabei kann es sich um Kurse, aber auch Fachärzte oder Psychologen und Psychotherapeuten handeln.  

Wie kann sie Dir konkret während der Geburt helfen?

Die Doula hilft der Gebärenden bei einer weitgehend selbstbestimmten Geburt und sorgt für die Minimierung des Stressanteils, allerdings ohne in medizinische Notwendigkeiten einzugreifen. Sie ist Deine ständige Ansprechpartnerin, falls Du bestimmte Wünsche hast, und unterstützt alles, was an der Peripherie für eine natürliche Geburt zu tun ist.

Dazu gehört, was oftmals unterschätzt wird, Deine mentale Stärkung. In diesem Sinne wird sie Dich dazu ermutigen, Dich emotional auf die unmittelbar bevorstehende Geburt einzulassen. Dies tut sie nicht nur mit Worten, sondern auch mit Streicheln und Massage in einer sehr körperlichen, Vertrauen gebenden Form, die Dir ein hohes Maß an Geborgenheit und Sicherheit vermittelt.

Die Doula hat nichts gegen die Gegenwart des Vaters bei der Geburt. Zuweilen kommt es aber vor, dass sie sich mehr um den Vater als um die Gebärende kümmern muss. Oftmals braucht der Vater aber auch nur paar Hinweise über den Ablauf der Geburt oder darüber, auf welche Weise er nun seine Frau unterstützen kann.

Was sie noch für Dich tun kann

Vor der Geburt kann Euch eine Doula einiges an Erfahrungen von ihren eigenen Geburten mitgeben. Dazu gehören auch Hinweise über das Vorgehen, falls es doch mal zu Komplikationen kommen sollte. Mehr im Fokus stehen aber thematisch die schmerzlindernden Medikamente, die Periduralanästhesie oder die Vor- und Nachteile Wehen fördernder Mittel.

Nach der Geburt kommt Euch die Doula zu Hause besuchen, versucht der Mutter in Gesprächen dabei zu helfen, das Geburtserlebnis zu verarbeiten, was bei einer traumatischen Geburt, die vereinzelt vorkommen kann, auch deshalb so wichtig ist, um der Mutter die zunächst verständliche Angst vor einer weiteren Geburt zu nehmen. Darüber hinaus bieten viele Doulas eine Stillberatung an, die sehr wertvoll sein kann, damit Schwierigkeiten beim Stillen erst gar nicht aufkommen.

Was bringt mir eine Geburtsbegleitung durch eine Doula?

In dem Buch „Doula – der neue Weg der Geburtsbegleitung“ von Marshall Klaus, John Kennell und Phyllis Klaus wurde 1995 festgehalten, dass rein statistisch bei Geburtsbegleitungen durch Doulas signifikant weniger Geburtseingriffe erforderlich waren. Die Geburten lassen sich dadurch etwas verkürzen, erleichtern und auch die Dosierungen von Medikamenten konnten heruntergefahren werden. Die Kaiserschnittrate sank bei begleiteten Geburten bis auf die Hälfte ab, Zangen- beziehungsweise Saugglockengeburten traten um circa 40 Prozent vermindert auf. Bei von einer Doula unterstützen Gebärenden treten seltener Stillprobleme auf.

Was kostet die Doula?

Die Krankenkassen sind vom Sinn der Doula nicht überzeugt und daher nicht bereit, die Kosten dafür zu übernehmen. Das Honorar für die Doula beträgt mindestens 450 Euro, kann aber, je nach vereinbarter Leistung, auch deutlich höher liegen. Normalerweise werden eine vorgeburtliche Betreuung und eine bis zu dreiwöchige Rufbereitschaft um den berechneten Geburtstermin herum verabredet.

Auf Antrag beim „DOULAS in Deutschland e.V.“ kannst Du möglicherweise eine finanzielle Unterstützung für die Doula-Geburtsbegleitung erwirken. Der Verein selbst finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und ehrenamtliche Einsätze von Doulas.

Wo kann ich eine Doula finden?

  • DOULAS in Deutschland e.V.
  • GfG e.V.
  • doula-info

Das sind für Dich interessante Webseiten, falls Du Kontakt zu einer Doula aufnehmen möchtest. Eine Suche nach Postleitzahl kannst Du zum Beispiel hier vornehmen: http://www.doulas-in-deutschland.de/index.php/doula-finden

Und eine allgemeine Suche sowie Informationen findest Du an dieser Stelle im Netz: http://www.doula-info.de/search.htm

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Fachredaktion Adeba
Fachredaktion Adebahttps://magazin.adeba.de/author/fachredaktion/
Ich bin eine Diplom-Psychologin mit Lehrbefähigung, die gerne Texte rund um zwischenmenschliche Beziehungen, Gesundheit und Ernährung schreibt. Manchmal auch über Kultur und Reisen und hin und wieder sogar über Geschichte. Ich freue mich sehr über Eure Kommentare und hoffe, Ihr mögt meine fachlichen Texte, die immer ein wenig meine persönliche Handschrift tragen. Ich möchte Euch rund um die großen Themen Schwangerschaft, Geburt und Kindererziehung informieren, wichtige Anregungen geben und gern auch mal zu einer kontroversen Diskussion provozieren.

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