Donnerstag, Juli 9, 2020
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Erste Designerbabys – Darf der Mensch Gott spielen?

Erste Anwendung der CRISPR/Cas9-Methode am menschlichen Genom

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Im November 2018 geriet der chinesische Wissenschaftler He Jiankui in die Schlagzeilen. Was war geschehen? Der Wissenschaftler hat eine Grenze überschritten und es gewagt, mit der DNA zweier Babys zu experimentieren. Gleich, nachdem die ersten genveränderten   „Designerbabys“ geboren wurden, kreierte er offenbar noch ein drittes Designerbaby. Möglich ist das alles durch das Anwenden der sogenannten CRISPR/Cas9-Methode.

Erste Designerbabys wurden mithilfe der CRISPR/Cas9-Methode geboren

Die beiden Designerbabys mit den Pseudonymen Nana und Lulu sind mittels künstlicher Befruchtung gezeugt worden. Zum Zwecke der Erbgutveränderung kam in beiden Fällen das CRISPR/Cas-Gentechnikverfahren zur Anwendung. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer Genschere. International löste diese Ankündigung scharfe Kritik aus.

Die chinesische Provinzregierung beschuldigte He Jiankui, dass er Prüfpapiere gefälscht habe, um die Überwachung vorsätzlich zu umgehen. Zugleich habe der Wissenschaftler auf eigene Faust ein internationales Projektteam organisiert, um diese sicherheitstechnisch noch nicht überschaubare Technologie einzusetzen. Die Ermittler kamen zu dem Schluss, dass es He vor allem um persönlichen Ruhm gehe.

Schon im August 2017 war es einem Team von Wissenschaftlern aus China, Südkorea und den USA gelungen, auf Basis der Genom-Editierung das Erbgut von menschlichen Embryonen zu verändern. Ihr durch und durch ehrenwertes Anliegen war die Reparatur eines Gendefekts, der eine schwere, angeborene Herzschwäche zur Folge hat. Allerdings ließen die Forscher beide Embryonen nur bis zu einigen Dutzend Zellen weiterwachsen. Aber immerhin hatten Sie den Beweis erbracht, dass die Methode im Prinzip funktioniert. Mit der CRISPR/Cas9-Methode lassen sich „endlich“ auch komplexe Genome präzise manipulieren.

Designerbabys
Designerbabys: Der Alb-Traum aller Frauen

Vielleicht wäre ja der Drang, menschliche Gene zu manipulieren, gar nicht so groß, wenn wir uns bereits mithilfe des Bluttests auf das Vorliegen einer Trisomie 21 (Down-Syndrom) hinweisen lassen dürften.

Doch darüber, ob so ein einfacher Test von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden darf, meinen wir in Deutschland noch lange debattieren zu müssen.

Wie funktioniert die CRISPR/Cas9-Methode?

CRISPR bedeutet „Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats“. Es geht hierbei um eine molekularbiologische Methode für gezielte „Schnitte“ innerhalb des DNA-Moleküls, die ganz bestimmte Veränderungen der Erbanlagen bewirken. Aus diesem Grunde spricht man hier zu Recht von „Genome Editing“. Auf diese geradezu einfache Weise lassen sich Gene einfügen und entfernen beziehungsweise ausschalten. Sogar einzelne Nukleotide innerhalb eines Gens können mit dieser Methode geändert werden.

Die Entwicklung der CRISPR/Cas-Methode basiert auf der Entdeckung der CRISPR-Sequenzen beziehungsweise des gesamten CRISPR/Cas-Systems im Immunsystem von Bakterien und Archaea. Im Jahre 2012 erfolgte durch Jennifer Doudna und Emmanuelle Charpentier die erste wissenschaftliche Veröffentlichung über die Entwicklung und die Einsatzmöglichkeiten der Methode.

Was war konkret geschehen?

Der Universitätsprofessor He Jiankui, der inzwischen beurlaubt wurde, hat die DNA beider Designerbabys derart verändert, dass sie sich nicht mit HIV infizieren können. Es hatten sich sogar acht Paare freiwillig zur Teilnahme an den Experimenten gemeldet, von denen jeweils (nur) die Männer HIV-positiv waren. Durch künstliche Befruchtung wurden dann relativ viele Embryonen geschaffen, deren Erbgut aber mit der Genschere Crispr/Cas9 geändert werden konnte.

Das Forscher-Team um He Jiankui zielte dabei auf den CCR5-Rezeptor ab, weil sich daran die HI-Viren bevorzugt anheften. Es ist bekannt, dass sich Menschen, die nicht ausreichend über das CCR5-Protein verfügen, kaum mit HIV anstecken können. Bei geglücktem Experiment wären die Kinder also immun gegen AIDS.

Was soll daran nun schlecht sein?

Manipulationen am menschlichen Erbgut sind in den USA, Deutschland und vielen anderen Ländern grundsätzlich verboten, da zum einen die Risiken nicht abschätzbar sind und zum anderen der veränderte genetische Code an alle nachfolgenden Generationen weitergereicht wird. Christiane Woopen ist die Vorsitzende des Europäischen Ethikrates. Sie verweist darauf, dass zum jetzigen Zeitpunkt die überwältigende Mehrheit der Wissenschaftler aus ethischen Gründen den Einsatz der CRISPR/Cas-Methode bei menschlichen Embryonen für unverantwortlich hält.

Die Biologin und Direktorin des Berliner Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie Emmanuelle Charpentier pflichtet dieser Sichtweise bei und sagt, dass wir nicht berechtigt sind, Designerbabys zu züchten. Die menschliche Keimbahn sollte für uns unantastbar bleiben. Indes weckt die Genschere CRISPR/Cas9 schon seit geraumer Zeit massive wirtschaftliche Begierden. In den letzten Jahren sind Milliardenbeträge Wagniskapital in Start-ups eingeflossen, die sich die Veränderung des menschlichen Erbguts auf die Fahnen geschrieben haben.

Die hier vorliegenden Fälle sind deshalb so schwerwiegend, weil He hierbei ein Eingriff in die Keimbahn gelungen ist. Das heißt, das alles geht weit über die bezeichneten chinesischen Mädchen hinaus.

Alle ihre Nachkommen werden Kopien der veränderten Gene in sich tragen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die gesamte Menschheit davon gezeichnet ist.

Die Diskussionen über Designerbabys werden nicht abreißen

Eine ganz andere Meinung vertritt Guido de Wert. Er ist Professor für Ethik in der Reproduktionsmedizin und Genforschung und lehrt an der Universität Maastricht. Eingriffe in die Keimbahn sind seiner Meinung nach nicht generell unangemessen. Er regt daher eine prinzipielle Diskussion über die Verhältnismäßigkeit solchen Vorgehens an, sehr wohl mit Blick auf eine klare Abgrenzung zwischen medizinischen Notwendigkeiten und unnötigen Designer-Baby-Anwendungen.

Es gibt Tausende seltener Krankheiten, die auf Mutationen in nur einem Gen basieren. Beispiele sind das tödlich verlaufende Nervenleiden Chorea Huntington und die vererbbaren Formen der Muskelschwäche, bei denen die betroffenen Menschen Stück für Stück fortschreitend die Kontrolle über ihren Körper einbüßen. Hier könnte die Genschere echt heilen. Aber sie kann noch mehr, sie könnte dafür sorgen, dass manche Menschen um ein Vielfaches intelligenter sind, viel mehr Muskelkraft entwickeln oder drei Meter groß werden, ganz abgesehen von dem Wunsch nach blauen Augen und blonden Haaren.

Warum müssen wir beim Thema Genveränderung so vorsichtig sein?

Bei vorangegangenen Experimenten mit Crispr/Cas9 kam es immer wieder zu unerwünschten Änderungen des Erbguts, zu genannten „Off-Target-Effekten“. Unbeabsichtigte, zusätzliche Mutationen sind bei dieser Methode also nicht auszuschließen. Andererseits können HIV-positive Eltern ihre Kinder so tatsächlich vor einer Ansteckung mit HIV schützen.

Im vorliegenden Fall konnten bei einem der Mädchen alle beiden Kopien des Gens deaktiviert werden. Bei der Zwillingsschwester blieb der Erfolg auf nur eine Kopie beschränkt, das heißt, sie ist nicht vor einer Ansteckung mit HIV geschützt. Und das ihr dennoch fehlende CCR5-Protein bringt Nachteile mit sich. Das Mädchen wird nun leicht an anderen Virusinfektionen erkranken, was bedeutet, dass es sogar mit erhöhter Wahrscheinlichkeit an einer Grippe sterben kann.

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Fachredaktion Adeba
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Ich bin eine Diplom-Psychologin mit Lehrbefähigung, die gerne Texte rund um zwischenmenschliche Beziehungen, Gesundheit und Ernährung schreibt. Manchmal auch über Kultur und Reisen und hin und wieder sogar über Geschichte. Ich freue mich sehr über Eure Kommentare und hoffe, Ihr mögt meine fachlichen Texte, die immer ein wenig meine persönliche Handschrift tragen. Ich möchte Euch rund um die großen Themen Schwangerschaft, Geburt und Kindererziehung informieren, wichtige Anregungen geben und gern auch mal zu einer kontroversen Diskussion provozieren.

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