Montag, Dezember 9, 2019
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Muttertag – Warum wir unseren Müttern so dankbar sein sollten

Auch beim Muttertag geht es nicht nur um Geschenke, sondern um Besinnung

Der Muttertag, der alle Mütter und zugleich die Mutterschaft ehrt, wurde im Jahre 1914 in den Vereinigten Staaten von Amerika „erfunden“ und etablierte sich schnell und fest vor allem in der westlichen Welt. In den meisten Regionen hat es sich durchgesetzt, den zweiten Sonntag im Wonnemonat Mai als Muttertag zu feiern, das heißt, wir alle wollen unseren Müttern unseren tief empfundenen Dank aussprechen.

Gründe, uns bei unserer Mutter zu bedanken, gibt es mehr als viele. In diesem Artikel soll aber auch zu diesem schönen Thema die Wissenschaft zu Wort kommen mit einem Fokus darauf, wie stark die Mütter ihre Kinder beeinflussen und wie wichtig das für alle Menschen ist.

Die Intelligenz erben wir von Mutti

Durch Studien konnte nachgewiesen werden, dass nicht so sehr beide Elternteile für die Intelligenzanlage eines Kindes zuständig sind, sondern allem voran die Mutter ihre Intelligenz an ihr Kind weiter vererbt. Die Psychologin Jennifer Delgado verweist dazu auf ihrem Blog „Psychology Spot“ auf die sogenannten konditionierten Gene, die sich, je nach dem, von wem diese vererbt werden, sehr unterschiedlich verhalten.

Einige von ihnen werden nämlich nur dann aktiv geschaltet, sofern sie von der Mutter übertragen wurden, allen voran die Intelligenz-Gene. Es gibt allerdings auch „trügerische“ Gene, die nur aktiv werden, falls sie vom Vater stammen. Wollen doch mal sehen, was das dann für Eigenschaften sind.

Delgado erklärt weiter, dass die Gene für die Intelligenz mit dem („weiblichen“) X-Chromosom verbunden sind. Dabei bezieht sie sich auf den Psychologen Robert Lehrke. Er zeigte schon in den 1990er Jahren auf, dass der größte Teil der Intelligenz in den X-Chromosomen verankert ist. Da diese bei Frauen doppelt angelegt sind, ist die Wahrscheinlichkeit entsprechend höher, dass es die Mutter ist, die all jene Eigenschaften, die auf Intelligenz fußen, an ihr Kind vererbt.

In die gleiche Kerbe schlägt die „Social and Public Health Sciences Unit“ mit ihrer Langzeitanalyse am Glasgower „Medical Research Council“. Das Ergebnis dieser Studie kurz zusammengefasst lautet: Die Intelligenz eines Kindes ist direkt von jener seiner Mutter abhängig. Die Intelligenzquotienten der Teilnehmer im Alter von 14 bis 22 Jahren wichen durchschnittlich nur um 15 Punkte von den Werten ihrer Mütter ab.

Wissenschaftler von der „University of Minnesota“ haben gezeigt, dass jene Kinder, die eine sehr starke Bindung zu ihren Müttern haben, eher in der Lage sind, komplexe Aufgaben zu lösen und auch länger konzentriert an einer Sache dranbleiben.

Danken wir am Muttertag für die wichtige Zeit

Wenn eine Mutter viel Zeit mit ihrem Kind verbringt, dies bezieht sich vor allem auf die Phase zwischen drei und sieben Jahren, besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit dafür, dass dessen soziale und kognitive Fähigkeiten gestärkt werden. So jedenfalls lautet das Ergebnis einer Gemeinschaftsstudie des „University College London“ und der „University of Essex“, die Ende 2016 im „Economic Journal“ publiziert wurde. Die hierbei genauer betrachteten kognitiven Fähigkeiten waren:

  • Denken
  • Gedächtnis
  • Problemlösung
  • Sprache
  • Wahrnehmung

Dabei profitierten besonders die erstgeborenen Kinder von der zeitlichen Zuwendung durch die Mutter. Einbezogen in diese Untersuchungen in Großbritannien wurden immerhin gut 8.000 Kinder mit deren Müttern. Mütter mit einem Universitätsabschluss übten diesbezüglich einen besonders positiven Einfluss auf ihr Kind aus, was ja auch nicht unbedingt abwegig ist.

Nichtakademische Mütter können aber durch ein entsprechend höheres zeitliches Engagement ebenfalls viel Gutes bewirken. Die Mütter mit einer qualitativ hochwertigeren Schulausbildung konnten ihre Kinder pädagogisch besser fördern, was sich besonders in einer guten Ausdrucksfähigkeit von Kindern zwischen drei und fünf Jahren zeigte.

Das spätere Liebesglück der Kinder als Spiegel der Beziehungsfähigkeit ihrer Mütter

Im November 2018 wurde in der Fachzeitschrift „Plos One“, das ist eine internationale Online-Fachzeitschrift im Rahmen der „Public Library of Science“, eine Studie veröffentlicht, die meint, einen funktionalen Zusammenhang zwischen der Anzahl der Lebenspartner und dem diesbezüglichen Verhalten der Mutter erkannt zu haben.

Es sei die Mutter, die wesentliche Persönlichkeitsmerkmale an ihr Kind weitergibt, die darüber bestimmen, ob eine lang anhaltende, stabile Partnerbeziehung überhaupt möglich ist. Die Leiterin dieser Studie, Claire Kamp Dush, ist als Dozentin für Humanwissenschaften und Soziologie in Columbus an der „Ohio State University“ tätig.

Sie bestätigt, dass die Mutter bestimmte Verhaltensmuster direkt an ihre Kinder vermittelt, die diese verinnerlichen und unbewusst in ihr eigenes Handeln in Bezug auf das Führen von Beziehungen einfließen lassen. Die Art und Weise, Probleme zu lösen, oder die Fähigkeit, einem anderen Menschen zu vertrauen, gehören zum Beispiel dazu.

Mütter und ihre Söhne

Die Mutter steuert die Entwicklung ihres Sohnes in ganz besonderem Maße. Roland Kopp-Wichmann ist Diplom-Psychologe an der Universität Heidelberg. Die Studie, die unter seiner Leitung entstanden ist, zeigt, dass Mütter mit ihren männlichen Kleinkindern häufiger und mehr schmusen als mit kleinen Mädchen.

Mütter werden nach seiner Einschätzung durch kleine Knaben von einer Art Faszination überwältigt, weil sich die kleinen Jungen tatsächlich etwas anders verhalten als Mädchen. Bald lernen die kleinen Jungen, dass sie, anders als bei ihrem Vater, bei der Mutter ihre Verletzlichkeit offen zeigen dürfen. In der Folge hängen sie sehr viel stärker an ihrer Mutter.

„Es gibt keinen Ort der Welt, an dem man sicherer geborgen wäre als in den Armen der Mutter.“

Selma Lagerlöf

Die Wissenschaft sieht in der Mutterliebe einen praktischen Trick der Natur, der es lediglich darum geht, dass sich irgendjemand für den Erhalt der Spezies aufopfert. Diese Sichtweise ist aber insofern etwas umstritten, weil nicht jede Mutter gleich viel Mutterliebe entwickeln kann. Tatsächlich ist Mutterliebe kein Instinkt, der durch eine Geburt bei jeder Frau einfach nur eingeschaltet wird, sondern sie ist das (wachsende) Ergebnis einer längeren Entwicklung durch komplexe Interaktionen zwischen Mutter und Kind.

Zum Muttertag

Dass Dich Deine Mutter geboren und Dich viele Jahre lang so friedvoll wie liebevoll und völlig uneigennützig umsorgt hat, stand in dieser Zeit kurz vor dem Muttertag wieder einmal überall und in allen edlen Variationen geschrieben. Dass Du ihr dankbar sein solltest, muss Dir niemand sagen, weil Du es weißt und weil Du es fühlst. Aber wie lässt sich Dank zeigen außer mit einem Parfüm hier oder ein paar Schnittblumen dort?

Ganz einfach – schenke ihr Deine Zeit, und zwar nicht nur zum Muttertag. Das Kostbarste für Deine Mutter ist Deine Liebe und Liebe ergießt sich für Euch beide aus gemeinsam verbrachter Lebenszeit. Deshalb denke stets daran, wenn Du sie gerade anrufen willst, um die Verabredung mit ihr einem ach so wichtigen anderen (Geschäfts)Termin zu opfern: Eines Tages wird Deine Mutter nicht mehr da sein. Jeder Tag, an dem Du Deiner Mutter jetzt nicht begegnest, ist ein verlorener Tag für Dich.

Fachredaktion Adeba
Fachredaktion Adeba
Ich bin eine Diplom-Psychologin mit Lehrbefähigung, die gerne Texte rund um zwischenmenschliche Beziehungen, Gesundheit und Ernährung schreibt. Manchmal auch über Kultur und Reisen und hin und wieder sogar über Geschichte. Ich freue mich sehr über Eure Kommentare und hoffe, Ihr mögt meine fachlichen Texte, die immer ein wenig meine persönliche Handschrift tragen. Ich möchte Euch rund um die großen Themen Schwangerschaft, Geburt und Kindererziehung informieren, wichtige Anregungen geben und gern auch mal zu einer kontroversen Diskussion provozieren.

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