Dienstag, Dezember 10, 2019
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Alle Jahre wieder – Giftige Weihnachtsbäume zum Fest der Liebe

Wie giftig sind unsere Weihnachtsbäume wirklich?

Weihnachten ohne Weihnachtsbaum, das geht doch gar nicht, oder? Gerade bei Kindern kommt so ein Bäumchen und der Prozess des Schmückens immer gut an und gehört zum Weihnachtsritual. Aber echt soll er schon sein und richtig nach dem Harz des Waldes riechen, so ein Baum.

Doch gerade zu diesem Punkt gibt es ein Problem: Der hübsche, echte Baum wurde möglicherweise massiv mit giftigen Chemikalien besprüht, was das Weihnachtsfest im wahrsten Sinne des Wortes vergiftet. Wie wir dem abhelfen können, darauf möchten wir im Folgenden näher eingehen.

Warum sind unsere Weihnachtsbäume so giftig?

Wer sich mal den Spaß macht und die winzigen Flächen aller Nadeln zusammen addiert, kommt auf Gesamtflächen, die Fußballfeldern entsprechen. Wenn eine solche homogen mit Gift belegte Fläche in warmer Heizungsluft permanent vor sich hin ausgast, wird die begrenzte Raumluft zur intensiven Krebsquelle.

Wasserwerke weisen immer wieder auf erhöhte Nitrat- und Pestizid-Frachten hin, die sowohl im Zuge der Produktion als auch der Entsorgung von Weihnachtsbäumen beobachtet werden.

Auf konventionellen Plantagen, so will man uns weismachen, wachsen die hübschen Bäumchen nur, wenn sie ausreichend Düngemittel und Pestizide als Leckerli bekommen. Umweltschützer fordern daher verbindliche und vor allem akzeptable Grenzwerte für das Gift auf den Bäumen.

Circa 10 Prozent der Weihnachtsbäume werden vor allem aus Dänemark importiert. Die meisten Bäumchen wachsen aber in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen heran. Es dauert um die 10 Jahre, bis sie endlich die Höhe von 2 Metern erreicht haben.

Ihre Kinderstuben sind oftmals Monokulturen, in denen die kleinen, vermeintlich empfindlichen Bäumchen immer wieder mit Fungiziden, Herbiziden und Pestiziden behandelt werden. Diese chemischen Keulen dienen ja nur ihrem Schutz vor natürlichen Schädlingen wie Unkraut, Pilze oder Insekten.

Gar lustig ist der Gift-Cocktail zu Weihnachten

Nein, es ist nicht gut für das Geschäft, wenn das Weihnachtsbäumchen den kleinsten optischen Makel aufweist. Muss ja auch nicht sein, denn gegen Unkräuter wie die Brombeere oder das Weidenröschen gibt es doch Herbizide, gegen Läuse und Spinnmilben gibt es krebserrregende Pestizide und gegen den Speisepilz Hallimasch oder den Schlauchpilz Botrytis gibt es die allseits beliebten Fungizide.

Selbstverständlich werden die Bäumchen unmittelbar vor ihrem Verkauf nochmals mit ganz speziellem Dünger, dessen Zusammensetzung so keiner richtig kennt, zum Anhübschen der nunmehr leuchtend sattgrünen Nadeln ausgiebig besprüht. Natürlich hat das alles seinen Preis.

Toxine sind bekanntlich todbringend. Dennoch bezahlen wir viel Geld dafür, unsichtbare Gifte zu Hause in unseren Wohnzimmern unseren Kindern stolz präsentieren zu können. Ist das nicht ein Fest der Liebe?

Immerhin schädigen die krebserregenden Herbizide und Pestizide mindestens unser Nervensystem. Besonders belastet werden davon bekanntlich Kinder, ältere Personen und Allergiker. Symptome wie Hautausschlag, Atemnot und Kreislaufprobleme sind oftmals erste schwerwiegende Hinweise, dass einiges nicht stimmt mit der Raumluft.

Testergebnisse zur Belastung der Weihnachtsbäume

Über die hohe Pestizid-Belastung deutscher Weihnachtsbäume berichteten der „Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland“ (BUND) und der „Bayerische Bund Naturschutz“ (BN) im Dezember 2017. Ein beauftragtes unabhängiges Labor wies damals an 13 von 17 untersuchten Bäumen Rückstände von Pflanzenschutzmitteln auf den Nadeln nach.

Stichprobenartig untersucht wurden Weihnachtsbäume, die in Gartencentern, Baumärkten und im Straßenverkauf veräußert wurden und hauptsächlich auf deutschen Plantagen gewachsen sind.

Über die Hälfte der getesteten Bäume waren mindestens durch zwei Giftstoffe belastet. In einem besonders krassen Fall wurde sogar E 605 nachgewiesen, obwohl Parathion in der EU seit über 15 Jahren zu den streng verbotenen Substanzen gehört.

Ein ähnlicher Test im Jahre 2018 befasste sich mit 5 recht konventionellen Weihnachtsbäumen, die in einem Supermarkt, in einem Gartencenter und in Baumärkten verkauft wurden. Alle Bäume wiesen zum Teil recht hohe Spuren von Pestiziden auf, darunter auch Glyphosat, ein besonders umstrittenes Unkraut-Vernichtungsmittel.

Geradezu passend dazu erschien im Oktober 2018 eine Studie über Glyphosat, die vom italienischen „Ministerium für Bildung, Universitäten und Forschung“ in Auftrag gegeben worden ist. Was die Bayer-Tochter Monsanto da hergestellt und in weltweiten Umlauf gebracht hat, so ein Ergebnis daraus, löst nachweislich Veränderungen im Erbgut aus.

Gibt es auch ungiftige Weihnachtsbäume?

Für unsere Wälder und die Entwicklung der Bäume ist es nur gut, wenn der Wald regelmäßig in etwa alle 10 Jahre durchforstet wird. Bei diesen Aktionen fallen sehr viele natürlich gewachsene Kiefern, Fichten und Tannen in unterschiedlichen Größen an. Allerdings übersteigt der derzeitige Bedarf an Weihnachtsbäumen die Zahl der so gewinnbaren Bäume ungefähr um das 20-Fache.

Dass die Nachfrage nach ökologisch nachhaltig produzierten Weihnachtsbäumen ohne Giftmantel tatsächlich vehement wächst, hat einige geschäftstüchtige Produzenten in der Tat wachgerüttelt.

Unabhängige Kontroll-Instanzen, die darauf achten, dass die Bäumchen eben nicht auf einer Plantage, sondern in einem richtigen Wald nach Bio-Regeln gewachsen sind, schießen schon wie Pilze aus dem Boden. Und da die Deutschen Bio-Siegel lieben, wurden selbige sogleich aus dem Boden gestampft.

Folgenden Siegeln darf man vertrauen

PEFC ist die Abkürzung für „Program for the Endorsement of Forest Certification Schemes“, was frei übersetzt in etwa „Programm zur Anerkennung von Systemen zur Waldzertifizierung“ bedeutet. Wie so oft geht Bayern schnellen Schrittes voran, denn dort sind nun schon fast 80 Prozent der Wälder PEFC-zertifiziert.

FSC ist ebenfalls eine Abkürzung und steht für „Forest Stewardship“, was man mit Wald-Verantwortung übersetzen könnte. Mit diesem Siegel werden Wälder zertifiziert, in denen keine mineralischen Düngemittel und auch keine Pestizide eingesetzt werden. Außerdem bemüht man sich in solchen Wäldern, vor allem heimische Baumarten anzusiedeln, Kahlschlag ist dort nicht vorgesehen und sogar innerhalb der Unternehmen müssen bestimmte soziale Standards erfüllt sein.

Demeter, Bioland und Naturland sind jene Siegel ökologischer Anbauverbände, die die strengsten Maßstäbe ansetzen. Dies gelingt nur durch massive Kontrollen der Forstbetriebe und Weihnachtsbaumkulturen, die unnachgiebig auf die strikte Einhaltung der hohen Standards achtgeben.

Abschließender Gedanke

Ökologie und Ökonomie müssen sich nicht zwangsläufig diametral gegenüberstehen, sondern können sich sogar gegenseitig befeuern. Doch unser sinnentleertes Konsumverhalten wird von der Umwelt in zunehmendem Maße abgestraft, der Klimawandel ist nur eine Facette davon. In diesem Sinne sollten wir die besinnliche Weihnachtszeit unbedingt dazu nutzen, unsere schädlichen, nicht mehr zeitgemäßen Gewohnheiten zu überdenken.

Warum schmücken wir nicht alle gemeinsam den lebendigen Baum im Hof des Wohnblocks? Es ist höchste Zeit, neue Traditionen außerhalb der kleinen Welt der eigenen vier Wände einzuführen, damit Abertausende junge, kleine Bäumchen weiterwachsen und Sauerstoff spenden können, wobei die Luft in unserem Wohnzimmer endlich als giftfreie Zone erklärt werden könnte.

Fachredaktion Adeba
Fachredaktion Adeba
Ich bin eine Diplom-Psychologin mit Lehrbefähigung, die gerne Texte rund um zwischenmenschliche Beziehungen, Gesundheit und Ernährung schreibt. Manchmal auch über Kultur und Reisen und hin und wieder sogar über Geschichte. Ich freue mich sehr über Eure Kommentare und hoffe, Ihr mögt meine fachlichen Texte, die immer ein wenig meine persönliche Handschrift tragen. Ich möchte Euch rund um die großen Themen Schwangerschaft, Geburt und Kindererziehung informieren, wichtige Anregungen geben und gern auch mal zu einer kontroversen Diskussion provozieren.

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