Sonntag, November 29, 2020
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Die Scheidung der Eltern trifft vor allem die Kinder

Eltern können ihren Kindern die Trennung erleichtern

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Eine Scheidung ist keine schöne Sache, soll aber vorkommen, weil sie manchmal nicht zu meiden ist oder für alle Beteiligten als letzte Instanz die einzige Problemlösung darstellt. Wenn Kinder aus der Ehe hervorgegangen sind, sind diese in ganz besonderer Weise von der Trennung der Eltern betroffen. Die daraus resultierenden gravierenden Änderungen im Leben können wir aber unseren Kindern erleichtern.

Wie Kinder auf die Scheidung der Eltern reagieren

Durch eine Trennung beziehungsweise Scheidung der Eltern ergeben sich weitreichende Folgen für die gesamte Familie. Kinder nehmen sich das sehr zu Herzen und empfinden Scham, Wut, Trauer oder sogar eigene Schuld. Dabei versuchen Kinder oftmals, ihre Gefühle zu verbergen, insbesondere vor ihren Eltern.

Doch dies baut einen inneren Druck auf, der sich sein Ventil sucht. Plötzliche Aggressivität zu ganz unerwarteten Anlässen gegenüber Freunden und Verwandten oder Wutausbrüche in der Schule sind typische Botschaften, die unsere Kinder in dieser Situation aussenden. Darüber hinaus stellen sich insbesondere während der Pubertät Ängste, Trotz, sozialer Rückzug bis hin zu Depressionen ein.

Nicht selten flüchten Kinder in eine Krankheit, um die Aufmerksamkeit der Eltern auf sich zu lenken und die Eltern auf diese Weise zu gemeinsamem Handeln zu zwingen. Besonders tragisch ist es, wenn Kinder sich selbst die Schuld daran geben, dafür gesorgt zu haben, dass ein Elternteil nun geht. Aber auch die vielen Kinder, die offensichtlich keine Symptome zeigen, machen einen innerlichen Leidensweg durch und bedürfen dringend unserer Hilfe.

Die Ängste des Kindes aus dem Weg räumen

Kinder sind sensibel und merken es sehr wohl, wenn sich ihre Eltern nicht mehr verstehen. Dies löst in ihnen ganz natürlich Ängste vor der ungewissen Zukunft aus. Daher ist es sehr wichtig, dass Eltern mit ihren Kindern auf Augenhöhe über die Scheidung und deren Notwendigkeit sprechen, ohne den Partner dabei madig zu machen, denn das Kind soll ja sein hoffentlich gutes Verhältnis zu beiden Eltern behalten.

In diesem Zuge kann sogleich darüber gesprochen werden, wie die Zukunft sein wird, dass das Kind, immer wenn es das möchte, zu Papa oder Mama fahren kann. Diese Aussicht gibt dem Kind ein gewisses Maß an Sicherheit und Geborgenheit zurück.

Aus dem Wege zu räumen ist unbedingt die Angst davor, dass ein Elternteil nach der Scheidung für immer verschwindet. Dem Kind muss klargemacht werden, dass die Trennung absolut nichts mit ihm zu tun hat, dass beide Eltern ihr Kind in dem bisherigen Maße immer weiter lieben werden. Die Scheidung ist ausschließlich eine Sache, die zwischen Papa und Mama ablaufen muss, weil ein weiteres Zusammenleben für alle Beteiligten mehr Schaden als Nutzen bringt. Genau das muss für das Kind rüberkommen.

Kinder neigen stark dazu, Schuld auf sich zu nehmen. So glauben viele Kinder zum Beispiel, dass Papa jetzt die Familie verlässt, weil sie sich schlecht verhalten haben oder weil sie schlechte Noten in der Schule bekommen haben. Für Erwachsene mögen die Gründe, die sich Kinder ausmalen, absolut lächerlich erscheinen, aber die Kinder nehmen solche Gedanken sehr ernst und belasten ihr kleines Herz damit. Bitte räumt damit im Falle einer Scheidung unbedingt auf.

Bei Scheidung ist ehrliches Reden Gold

Neben dem Kind sollte unbedingt auch die Kita oder die Schule, die Verwandten und Bekannten über die Scheidung sachlich informiert werden. Auf diese Weise fühlt sich das Kind nicht genötigt, die neue Sachlage zu erklären. Abgesehen davon, dass dies ein Kind überfordert, haben so andere Erwachsene die Möglichkeit, behutsam und verständnisvoll auf das Kind zuzugehen.

Wenn Dein Kind weinend bedauert: „Alle anderen Kinder haben Mama und Papa, aber ich nicht mehr, weil Ihr Euch unbedingt trennen wollt“, dann mag die Erklärung ein wenig helfen, dass getrennte Eltern heute schon fast eine Regel sind. Schaut man in eine beliebige Schulklasse, leben gewiss um 30 Prozent der Elternpaare getrennt. Dennoch sollte es immer unser anstrebenswertes Ziel bleiben, Konflikte gemeinsam zu überwinden und zusammen zu bleiben.

Doppelte Heimat

Ist die Scheidung der Eltern auch räumlich vollzogen, ist es wichtig, dass die Kinder in beiden Wohnungen ihr ganz persönliches Zuhause mit ihrem Bettchen, Spielsachen und Kuscheltieren vorfinden. Klar verabredete Zeiten, wann sich das Kind bei Mama oder Papa aufhält, möglichst unter Einbeziehung des Kindes, helfen sehr dabei, den neuen Alltag zu einem sicheren Hafen für das Kind zu machen.

Auch die technische Erreichbarkeit des Elternteils, das ausgezogen ist, sollte jederzeit gewährleistet sein. Übe es gegebenenfalls gemeinsam mit Deinem Kind ein, wie es Papa mit dem Smartphone mal ganz alleine erreichen kann, während Papa (oder vielleicht die Mama) zumindest in der ersten Zeit nach der Scheidung direkt ans Telefon geht und die Mailbox besser abschaltet.

Traditionen beibehalten und ausbauen

Die Scheidung der Eltern sollte nicht bedeuten, dass sich ab jetzt alles schlagartig ändert. Wenn ein Elternteil auszieht, sollte es möglich sein, dass das Kind weiterhin denselben Kindergarten oder dieselbe Schule besucht, damit der Freundeskreis als immens wichtige Stütze erhalten bleibt. Insofern lässt es sich gewiss so einrichten, dass der bisherige Tagesablauf weitgehend beibehalten werden kann.

Wenn Du versuchst, die hier skizzierten Gedanken zu beherzigen, wird sich Dein Kind in die neue Realität schnell und ohne größere Blessuren einfinden. Falls Du aber spürst, dass dies aus bestimmten Gründen, auf die Du wenig Einfluss hast, nicht so recht gelingen kann, wende Dich vertrauensvoll zum Beispiel an die psychologische Beratung des nächsten Jugendamtes.

Die Eltern sind immer Vorbilder für ihre Kinder. Daher tragt Ihr eine hohe Verantwortung dafür, wie sich Eure Kinder als erwachsene Menschen entwickeln werden. Nehmt also Eure Scheidung zum Anlass, Euren Kindern vorzuleben, wie vernünftige Menschen im Konfliktfall miteinander würdig und in gegenseitiger Akzeptanz und Achtung umgehen.

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Fachredaktion Adeba
Fachredaktion Adebahttps://magazin.adeba.de/author/fachredaktion/
Ich bin eine Diplom-Psychologin mit Lehrbefähigung, die gerne Texte rund um zwischenmenschliche Beziehungen, Gesundheit und Ernährung schreibt. Manchmal auch über Kultur und Reisen und hin und wieder sogar über Geschichte. Ich freue mich sehr über Eure Kommentare und hoffe, Ihr mögt meine fachlichen Texte, die immer ein wenig meine persönliche Handschrift tragen. Ich möchte Euch rund um die großen Themen Schwangerschaft, Geburt und Kindererziehung informieren, wichtige Anregungen geben und gern auch mal zu einer kontroversen Diskussion provozieren.

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